
Januar 2026
Oder: Du brauchst kein „Neues Ich“ – dein Alltag ist anspruchsvoll genug.
Es ist Januar.
Überall Detox, 5 Uhr Morgenroutinen, 30 Tage Challenges und "Was ich dieses Jahr definitiv anders mache"...
Und du?
Steckst irgendwo zwischen kränkelnden Kindern, Glatteis-Chaos, leerem Kühlschrank und dem Versuch, nach den Weihnachtsferien wieder im Alltag anzukommen.
Wenn du dich bei „Neues Jahr, neues Ich“ eher nach ner extra Runde Winterschlaf sehnst, statt hochmotiviert loszusprinten: Same. Absolut verständlich.
Die meisten Vorsatz- und Produktivitätskonzepte wurden nicht für einen weiblichen Körper gebaut. Und ganz sicher nicht für den Alltag mit Kids.
Sie funktionieren in stabilen 24‑Stunden‑Routinen, die immer ähnlich ablaufen: Neuer Tag, neue Chance... vorhersehbar und planbar.
Sie funktionieren nicht gut in einem Leben mit Zyklus voller Care-Verantwortung, Infektsaison, Schlafmangel, oder wenn du mal wieder die Emotionsverwaltungsstelle und der innere Notizzettel für alle bist.
Viele der typischen Produktivitäts-Tipps klingen so:
steh halt jeden Tag zur gleichen Zeit auf,
zieh immer die gleiche Morgenroutine durch,
du brauchst jeden Tag dieselben Arbeitsblöcke mit klar definierten Pausen
strukturier jede Woche identisch durch
und vergiss morgens nicht den Smoothie vorm Krafttraining – abends dann Joggen, Journaling und kein Essen mehr nach 18 Uhr!
Ähm... naja...
Dahinter steckt ein Menschenbild, das vermutlich oft nicht zu deinem Alltag passt, denn die meisten dieser "Hacks" entstammen männlichen Normen, Büchern, Erwerbsbiografien und Frameworks...
... Männer, die "unglaublich viel" Erfolg hatten, nur weil sie diese oder jene Routinen immer durchziehen – und behaupten, dass "du es garantiert auch hinkriegst, weil sie es ja schließlich auch geschafft haben."
... Männer, die Zeit haben, Bücher zu schreiben. Jeden Morgen um 5 aufzustehen. Sport zu machen. Zu duschen, wenn es ihnen passt. Pro Woche ein Buch zu lesen. In Ruhe zu essen, was ihnen schmeckt. Und abends mit Hobbies abzuschalten.
Finde den Fehler.
Vereinfacht gesagt: Diese Hacks schreiben entweder männliche Singles oder solche, deren Partnerin ALLES andere schaukelt.
Aber was noch viel entscheidender ist:
Männer haben hormonell [vereinfacht gesagt] einen 24‑Stunden‑Rhythmus.
Ihr System bekommt jeden Tag einen Reset – Leistungskurve und Energie lassen sich deutlich leichter in täglich immer gleiche Routinen pressen. Das ist sehr praktisch für Planbarkeit und Ziele.
Bei Frauen mit Menstruationszyklus läuft das allerdings anders.
Über durchschnittlich 26–28 Tage hinweg verändert sich...
deine Energie,
deine Stimmung,
deine Reizschwelle,
dein Bedürfnis nach Rückzug oder Nähe,
deine Kommunikation
deine Aufnahmekapazität für "Mamaaaaa, wo ist...?"
und oft sogar, was oder wie du essen magst.
Das hat weder was damit zu tun, dass du nicht diszipliniert wärst oder sprunghaft, empfindlich und sonst was bist – sondern hat sehr gute biologische Gründe: Du bist an Tag 14 [Eisprung-Vibes] einfach nicht dieselbe Person wie an Tag 24 [PMS und so]. Du bist nicht besser oder nicht schlechter – einfach anders.
Dein Körper braucht diesen Zyklus mit unterschiedlichen Phasen. Genauso, wie unsere Natur verschiedene Übergänge und Jahreszeiten braucht.
Früher als Single oder noch ohne Kinder, hast du dich vielleicht unbewusst nach diesen zyklischen Phasen gerichtet und dich intuitiv den verschiedenen Bedürfnissen deines Körpers angepasst:
sporteln und neue Dinge ausprobieren, wenn die Energie hoch ist
aufhübschen, tanzen gehen und flirten, wenn dir danach war
Netflix, Wärmi und Pizza Service, wenn alles nach „Couch und Ruhe“ schreit.
Vielleicht ist es dir damals gar nicht aufgefallen – weil es so viel einfacher war.
Aber spätestens mit Kindern kommt ein Alltag dazu, der wesentlich mehr Planbarkeit und "Zuverlässigkeit" verlangt – nur eben nicht unbedingt in deinem Tempo:
feste Betreuungs- und Schulzeiten,
Jobanforderungen, Schichtpläne, Deadlines und To Do außerhalb von Arbeitszeiten
Regenerationsfenster verschieben sich oft in den späten Abend oder sind zeitweise gar nicht mehr vorhanden
Infektsaison und kurze Nächte,
Care-Arbeit, die sich nicht an deinen Zyklus hält.
Plus vielleicht das Anstrengendste: Deine Bedürfnisse bzw. dein Empfinden in dem ganzen Trubel erst selbst wahrnehmen und dann auch noch an andere Familienmitglieder kommunizieren.
Und genau da prallen zwei Welten aufeinander:
Dein zyklischer Körper vs. Produktivitäts-Erwartungen, die von einem Menschen ohne Care-Verantwortung ausgehen. Einem Menschen, der jeden Tag mit denselben körperlichen Voraussetzungen und mentalen Kapazitäten aufwacht.
Wenn du z.B. versuchst, täglich oder an bestimmten Wochentagen immer dasselbe durchzuziehen, obwohl dein System in Wellen funktioniert, fühlt sich das schnell so an, als würdest du ständig hinterherhinken – kein Wunder, dass die meisten Neujahrsvorsätze bei Frauen nach 10-14 Tage Geschichte sind.
Nicht, weil du zu wenig Disziplin hast, sondern weil das Konzept an deiner Realität vorbei geht.
Statt dich also dafür fertig zu machen, dass du „es mal wieder nicht geschafft hast“, darfst du dir sagen:
Du bist nicht undiszipliniert – dieses System passt nicht zu deinem Leben.
Die Frage ist nicht: „Wie krieg ich mich endlich dazu, neue Routinen durchzuhalten?" sondern eher: „Wie kann ich meine Routinen so bauen, dass sie zu meinem Zyklus und unserem Familienalltag passen?“
Gesunde Routinen sind kein 12‑Punkte‑Plan, den du ab jetzt jeden Tag fehlerfrei abspulst. Sie sind kleine Anker, die sich an etwas dranhängen, das sowieso schon passiert – egal, ob du gerade in deiner kraftvollen Phase bist oder eher im Überlebensmodus.
💡Wenn etwas passiert, das sowieso Teil deines Tages ist, dann folgt ein kleiner, realistischer nächster Schritt.
So funktionieren Wenn–Dann‑Routinen.
Sie sind kleiner als klassische starre „Vorsätze“. Dafür deutlich alltagstauglicher – gerade, wenn deine Energie und Kapazität sich über den Zyklus verändern.
Statt: „Ich plane ab jetzt immer jeden Sonntag die komplette Woche perfekt vor.“ Lieber: „Wenn ich merke, dass mir das Kochen gerade zu viel wird, dann plane ich nur die nächsten 2–3 Tage Blitzrezepte mit Dein bunter Teller® ein."
So nimmst du Druck raus – und gehst trotzdem einen Schritt in Richtung Entlastung.
Die Beispiele kommen aus echtem Alltag – nicht aus einem Produktivitäts-Lehrbuch.
Sie sind bewusst so gedacht, dass sie an Tagen mit viel Energie und an Tagen mit „Mein System läuft grade auf Notstrom“ funktionieren.
1️⃣ Für dich: Zwei Schritte statt sieben
Wenn du am Kühlschrank stehst und denkst „Ich kann nicht noch eine Woche freestyle kochen“, dann öffnest du Dein bunter Teller® und planst nur die nächsten 2–3 Tage.
Nicht die ganze Woche.
Kein perfekter Plan.
Nur genug, dass dein Kopf wieder atmen kann.
An Tagen mit viel Power kannst du die Planung easy erweitern.
Und an Zyklus-Tief-Tagen reicht es völlig, diese 2–3 Tage mit Comfort Food Rezepten auf Autopilot gestellt zu haben.
Dein bunter Teller® wird hier nicht zum strengen System, sondern zum Gamechanger für Entscheidungsmüdigkeit... Du musst dir nicht jeden Tag neu ausdenken, was auf den Tisch kommt – du wählst aus, was schon da ist.
2️⃣ Für Paare: 5‑Minuten‑Wochenblick
Wenn ihr einmal in der Woche sowieso zusammen auf dem Sofa landet [z.B. Sambstagabend], dann nehmt ihr euch 5 Minuten vor der Entspannung, um gemeinsam in den Plan zu schauen:
Was steht diese Woche an?
In welcher Phase bin ich gerade und was brauche ich?
Wer ist wann zu Hause?
Welche 2–3 Gerichte wären realistisch?
Wer kauft wann ein?
Und wer kümmert sich ums Essen?
So verteilt ihr Verantwortung – statt dass alles an dir hängen bleibt.
Gerade in Phasen, in denen du müder, sensibler oder schneller überreizt bist, ist dieses gemeinsame Draufschauen Gold wert. So kannst du auch für deine Zyklusphasen vorausschauen und z.B. sagen "Ich hätte diese Woche gerne einen Abend für mich und möchte in die Therme fahren. Könntest du an Tag X das Essen vorbereiten und die Kinder ins Bett bringen?"
Dein bunter Teller® wird zur Gesprächsgrundlage, nicht zur starren Regel.
Statt „Warum bin ich eigentlich immer...“ habt ihr eine gemeinsame Übersicht, an der ihr euch orientieren könnt.
3️⃣ Für euch als Familie: „Leer“ heißt „auf die Liste“
Wenn jemand etwas leer macht [Milch, Nudeln, Lieblingskäse], dann landet es sofort auf der Einkaufsliste*. Klingt banal, ist aber ein echter Gamechanger.
Weil es bedeutet:
du musst nicht mehr alles im Kopf haben,
Kinder können mitmachen [sagen es an oder tippen mit],
dein Einkauf ist schneller geplant, weil die Liste sich Stück für Stück füllt.
An Tagen, an denen dein Kopf sowieso voll ist, merkst du den Unterschied besonders.
Statt „Mist, das hab ich vergessen“ wartest du entspannt, bis die Liste voll genug ist – und gehst dann einmal gezielt einkaufen.
*Psssst: In meinem digitalen Essensplaner Dein bunter Teller® sind passende Listen mit der Bring! App schon integriert – anpassbar in der Menge und editierbar, was die Zutaten betrifft. Aber du kannst das Prinzip auch handschriftlich nutzen.
👉 Dein bunter Teller® ist kein „Mach ab jetzt alles perfekt“-Programm, sondern ein System, das:
deine Essensplanung sichtbar macht,
deine Entscheidungen vereinfacht,
dir hilft, Verantwortung im Haushalt zu teilen,
und dir das Gefühl zurückgibt, dass du nicht alles gleichzeitig tragen musst.
Gerade, wenn deine Energie über den Zyklus schwankt, hilft dir der flexible Planer, nicht jedes Mal bei Null anzufangen. Die Struktur trägt dich, anstatt zu stressen. Denn du knüpfst einfach an das an, was schon da ist – und passt die Intensität an deinen Tag an.
Wenn du magst, schnapp dir mein kleines Wenn–Dann‑Template zum Ausdrucken:
➡️ Schreib dir 3 Routinen auf, die dich wirklich tragen...
Und lass den Januar kein Vorsatz-Battle sein, sondern zum sanften "Aus-dem-Winterschlaf-aufwachen-Monat" werden.
Häng die einzelnen Zettel sichtbar auf [du kannst auch einen einfachen Post-it nehmen]. Kreuze ab, wenn du die visuelle Motivation magst, oder lass das mit dem Zählen einfach weg...
Aber frag dich dabei gern:
In welchen Phasen meines Zyklus brauche ich besonders viel Entlastung?
Was würde mir genau dort gut tun?
Wie kann ich das in kleine, realistische Wenn-Dann-Routinen packen?
... und hol dir dann Stück für Stück das Gefühl zurück, dass euer Alltag dich mitträgt – egal, ob du gerade Rockstar oder im Ruhemodus bist.
Hier kannst du dir das Template runterladen:
Gedanken, Geschichten und Tools für deinen Alltag zwischen Mental Load, Milchkaffee und Mama-Magie...
Hier findest du Texte zum Nachdenken, Luftholen und Loslassen – ehrlich, fundiert und mit ganz viel Herz. Für mehr Struktur + Flow im Familienalltag und mehr Raum für das, was dir wichtig ist.
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